In dem kürzlich veröffentlichten Video über den neuen Dienst Google Wave wurde unter anderem von der eingebauten Rechtschreibekorrektur berichtet. Diese funtkioniert nun nicht über Wörterbücher oder irgendwelche Algorithmen, wie es bei anderen Programmen üblich ist, sondern über Wahrscheinlichkeiten, berechnet aus dem Google Webindex.
Was bedeutet das?
Die Referenz auf Wörterbücher bedeutet immer, auf tradiertes und quellensicheres Wissen zurück zu greifen. Dieses Wissen wird zumeist von Autoritäten zusammengetragen und gestützt. So gibt es in Deutschland Komissionen und Redaktionen, die darüber entscheiden, was kanonisiert wird und was nicht. Diesen (normativen) Entscheidungen unterwirft man sich nun relativ freiwillig (Duden). Geschenkt: Dort wo Rechtschreibung bewertet wird geschieht dies sicherlich nicht vollkommen aus freien Stücken... Zwar versucht auch z.B. die Dudenredaktion Sprachänderungen aufzunehmen, sofern sich diese einigermaßen bewährt haben; dies geschieht aber meißtens mit einer (teilw. enormen) zeitlichen Verzögerung.
Google Wave ist da schneller. Wesentlich. Gehen wir mal von relativ gemächlichen Schäzungen aus, so wird der Index einmal pro Monat aktualisiert. Seis drum. Der Vorteil einer Rechtschreibkorrektur liegt sicher nicht allein in der Aktualität begründet.
Googles Rechtschreibkorrektur bietet weiterhin die Möglichkeit, kontextsensitiv zu prüfen: Werden die Wörter - so wie ich sie gerade benutze - häufiger benutzt und werden sie ähnlich benutzt, wie ich es tue? Die Rechtschreibprüfung schaut wie Luther vor 500 Jahren "dem Volk aufs Maul". Nicht mehr und nicht weniger.
Natürlich ist das ganze auch kritisch zu betrachten: Etwas wird nicht zwangsläufig dadurch besser, dass es von vielen wiederholt wird. Etwas wird aber auch nicht dadurch falsch, dass es den Verantwortlichen schlichtweg unbekannt ist.
Mich würden Kommentare oder Anregungen hierzu wirklich Interessieren, ich melde mich in den nächsten Tagen hoffentlich mit neuen Ideen dazu.
Tatsächlich eine Sache über die man nachdenken sollte
Danke für den Hinweis.
Ich sehe vor allem eine Gefahr darin, dass die aus tausenden von Foren und Kommentaren auf Blogs bekannte "Rechtschreibung" immer mehr akzeptiert wird. 733tsp34k hat z.B. nichts in Rechtschreibung zu suchen.
Hmmm sollten sich hier Rechtschreibfehler eingefunden haben sind sie selbstverständlich ausschließlich zum Beweis dafür, dass User-Eingaben nie getraut werden sollte ;)
Grüße
733TSP34K
Nun ja, das ist genau der Kern der Sache, dem ich mich in den nächsten Tagen nähern wollte: Leetspeak ist definitv ein Phänomen der Internetkultur. Wieso ist dieses also nicht würdig genug für Lexikalität? Es werden "in der Welt" so viele Fachsprachen und Soziolekte in den allgemeinen Sprachschatz überführt (man denke nur an den unsäglichen Spiegel, der Legionen von seemännischen Ausdrücken in die Gemeinsprache gebracht hat) warum also nicht auch "Internetsprachen"???
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